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| DIE GEBETE DER HEILIGEN |
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Wenn
wir die Bibel öffnen, sehen wir, dass die Gebete der Heiligen eine
gewaltige Kraft haben. So betet Moses mit erhobenen Händen und die
Israeliten besiegen die Amalekiter (Ex: 17, 8-13). Später, als die
Israeliten dürsten und murren, betet Moses: «Was soll ich mit diesem
Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich». Und der
Herr antwortet ihm: «Schlag mit deinem Stab an den Felsen! Es wird
Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken»(Ex: 17, 6). Und so
geschah es tatsächlich. Später wurden die Israeliten wieder durch Moses
Gebet vor den Giftschlangen gerettet, von denen die Wüste voll geworden
war. Auf das Geheiss Gottes, fertigte Moses eine kupferne Schlange
an, hob sie auf einen Mast und jeder Israelit, der auf sie blickte,
wurde gerettet. Elija erweckte den Sohn der Witwe aus Sarepta, das zu
Sidon gehört, durch sein Gebet von den Toten auf. (3 Kön: 17, 17-24).
Auch Elisäos erweckte, mit seinem Gebet, einen Jüngling von den Toten
(4 Kön: 4, 32-37). So erweckte auch Petrus Tabitha von den Toten (Apg:
9,40).
Wenn also die Heiligen in ihrem irdischen Leben,
solch eine Kraft mit ihren Gebeten haben, wird sich diese Kraft
vervielfältigen, wenn sie im Himmel sind. Dort sind sie nicht mehr
anfällig für Sorgen und Probleme; sie sind vor jeder Sünde befreit und
ihre hauptsächliche Arbeit, ist das Gebet. Im Buch der Offenbarung
steht geschrieben: «Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen
ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel». Die Anbetung und Lobpreisung
Gottes durch die Heiligen, ist ewig, fortwährend, endlos. So wie wir in
unseren irdischen Kirchen die Namen der Verstorbenen vorbringen und für
sie beten, so beten auch die Heiligen in der himmlischen Kirche für
uns.
Aus diesem Grund berufen wir uns also auf die Gebete
der lebenden, als auch der verstorbenen Heiligen. Genau das empfiehlt
uns auch Gott selbst. Der Herr sagte zu Abimelech, einem König
Ägyptens, der sich einer schweren Sünde ergeben hatte, er solle Zuflucht nehmen zu
Abraham, der zu jener Zeit in Ägypten war und sein Gebet
erflehen. «Er ist ein Prophet und wird für dich beten, dass du am Leben
bleibst» (Gen. 20, 7).
Wir sehen also, dass Gott empfiehlt in den Gebeten
der Heiligen Zuflucht zu suchen und dass diese Gebete tatsächlich eine
gewaltige Kraft haben. Die Protestanten sollten hier aufhorchen, da sie
das Gegenteil behaupten.
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Der Heilige Chrysostomos sagt: «Sag mir nicht, „was
brauche ich die Gebete der anderen, seien sie auch Heilige, wenn ich
fromm lebe und mich bemühe das Evangelium zu halten“. Wir brauchen
immer die Gebete der Heiligen, unabhängig davon wie tugendhaft und
fromm wir sind. Nehmen wir Paulus, der bis in den dritten Himmel stieg
und unbeschreibliche Worte hörte. Der Erste, nach dem Einen, „der Mund
Christi“, und doch sagte er nie, „was brauche ich die Gebete?“, obwohl
jene, die für ihn beten sollten, ihm nicht höher gestellt waren, ja ihm nicht einmal ebenbürtig waren». Im Gegenteil, er selbst
bat die Christen, sie möchten für ihn beten. So schreibt er
in seinem Brief an die Römer: «Ich bitte euch, meine Brüder, im Namen
Jesu Christi, unseres Herrn, und bei der Liebe des Heiligen Geistes: Steht mir
bei, und betet für mich zu Gott»(Röm.15, 30). Den Ephesern empfiehlt er
Gebete «für alle Heiligen, auch für mich: dass Gott mir das rechte Wort
schenkt…»(Eph.6,18-19). Den Kolossern betont er, sie sollen beten,
indem er ihnen schreibt: «Lasst nicht nach im Beten; seid dabei wachsam
und dankbar! Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet für das
Wort…» (Kol.4,2-3). Er bittet die Thessalonicher: «Brüder, betet auch
für uns» (1 Thes.5,25 und 2 Thes.3,1).
Er bittet nicht nur, dass man für ihn und für seine
Mitarbeiter bete, sondern er glaubt, dass seine geistigen Kinder für
ihn beten, und dass er genau diesen Gebeten seine Gesundheit und seine
Rettung, vor großen Gefahren, verdankt. «Ich hoffe, dass ich euch durch
eure Gebete wiedergeschenkt werde» (Phlm.22). «Gott hat uns aus dieser
großen Todesnot errettet und rettet uns noch; auf ihm ruht unsere
Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird. Helft aber auch ihr,
indem ihr für uns betet.» (2 Kor.1,10-11).
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Aber auch Petrus sagte nicht, „was brauche ich die
Gebete der anderen, da ich ein Apostel bin, da ich Christus verkünde,
da sich auf meine Verkündung die Kirche stützt?“. Als er von Herodes
Agrippa dem Ersten ins Gefängnis geworfen wurde, beteten die Christen
von Jerusalem für ihn, mit dem Ergebnis, dass er auf wunderbare Weise
von einem Engel Gottes befreit wurde. Auch wenn du also Paulus bist,
auch wenn du Petrus bist, so hast du die Gebete nötig, vor allem die
der Heiligen.
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Das Gebet aber, mag es noch so immense Kraft haben,
mag es noch so notwendig sein, mögen wir auch noch so tugendhaft sein,
bedarf es dennoch einer Voraussetzung, damit es Frucht trägt. Diese
Voraussetzung ist, dass auch wir versuchen, aufrichtig unsere Sünden zu
bereuen, dass wir uns bemühen die Tugend zu praktizieren. Wir können
nicht alles von den Gebeten erwarten, wenn wir selbst träg und
gleichgültig sind. Die Heiligkeit wird nicht mit magischen Mitteln
weitergegeben. Sie bedarf auch der persönlichen Arbeit.
So auch Jeremias, obwohl er drei mal für die Hebräer
betete, erhielt er drei mal von Gott als Antwort: «Du aber, bete
nicht für dieses Volk! Fang nicht an, für sie zu flehen und zu bitten!
Dränge mich nicht! Denn ich werde dich nicht erhören.»(Jer. 7,16).
Obwohl auch Samuel für Saul und für die Israeliten betete, wurden sie
schließlich vernichtet, weil sie nicht Gottes Weisungen folge
leisteten. Zu Ezechiel sagt Gott: «Und wenn in diesem Land die drei
Männer Noach, Daniel und Ijob leben würden, dann würden nur diese drei
um ihrer Gerechtigkeit willen ihr Leben retten... das Land aber würde
zu
einer Wüste werden» (Ez.14,14-16). Und auch zu Jeremias, der drei mal
betete und von Gott getadelt wurde, sprach Gott schließlich: «Selbst
wenn Mose und Samuel vor mein Angesicht träten, würde sich mein Herz
diesem Volk nicht mehr zuneigen» (Jer.15,1).
Der Herr sagt all das zu Jeremias und zu Ezechiel,
nicht um zu zeigen, dass er ihre Bitten generell abweist oder dass er
sie verachtet, aber um ihnen zu zeigen, dass die Juden es nicht
verdienen, dass er ihnen hilft. Aus diesem Grunde gebraucht er auch die
Namen von Noah, Daniel, Hiob, Moses und Samuel. Es ist, als ob er heute
zu uns sagen würde, „auch wenn die Heilige Mutter Gottes, Chrysostomos
und Athanasios für euch beten würden, werde ich euch nicht helfen. Eure
Boshaft ist unermesslich und schrecklich“.
Wenn wir uns also all das vor Augen halten, sollten
wir weder die Gebete der Heiligen verschmähen, noch alles von ihnen
erwarten, wenn wir selbst träg sind und uns nicht anstrengen.
MELETIOS AP.
VADRACHANIS
ARCHIMANDRIT
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